Arsch huh, Zäng ussenander!

Vorwort aus „Kölner gegen Rassismus und Neonazis“ – dem „Arsch Huh, Zäng ussenander“-Buch

Wir alle spielen am 9. 1 1. 1992 auf dem Chlodwigplatz und wollen so dazu beitragen, die weitverbreitete Sprachlosigkeit zu der Entwicklung in unserem Land zu beenden.

Der zunehmende Rechtsruck, der sich in Angriffen auf Ausländer und Asylanten äußert, ist für viele Menschen in dieser Stadt, so auch für uns, unerträglich geworden.

Wir singen unsere Angst und unsere Wut hinaus und wollen so mehr zeigen als nur Betroffenheit. Mit unserem Konzert wollen wir Mut machen zu widersprechen. Die Akzeptanz und das Vertrauen, das uns die Menschen in dieser Stadt entgegenbringen, wollen wir dazu nutzen, um Köln widerstandsfähiger zu machen gegen die Rattenfänger von Rechts.

Sich nur auf Köln zu beziehen, soll nicht Kirchturmpolitik sein, sondern dazu dienen, unsere Möglichkeiten effizient zu nutzen und ein Beispiel zu geben. Unser gemeinsames Konzert will nicht in Konkurrenz stehen oder Alternative sein zu den vielen anderen Veranstaltungen, die anlässlich der Reichspogromnacht in Köln stattfinden. Vielmehr wollen wir dazu aufrufen, den Veranstaltungen der Kirchen, politischen Gruppen und Gewerkschaften zu folgen.

Mit dieser Erklärung wandten sich in den Tagen vor dem 9. November 1992 Kölner Musiker wie BAP, Brings, Bläck Fööss, The Piano Has Been Drinking‚ Zeltinger‚ Höhner‚ L.S.E., VIVA LA DIVA an die Öffentlichkeit, um auf die wachsende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hinzuweisen und zu einer Großveranstaltung aufzurufen, zu der dann am Abend des 9. November 100.000 Kölner zusammenkamen.

Dieses Buch dokumentiert die für Köln historische Veranstaltung und weitere Stimmen von in Köln lebenden Schriftstellern,Journalisten und Kabarettisten. Die Erlöse aus dem Verkauf des Buchs fließen, wie die Erlöse aus der gleichnamigen CD, in einen Fonds der AG ARSCH HUH, um weitere und weitergehende Aktivitäten zu ermöglichen.

Der Text ist dem Buch „Arsch huh – Zäng ussenander! Kölner gegen Rassismus und Neonazis“ entnommen, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1992, ISBN 3 462 02272 5.

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3 Kommentare

  1. Sopir 12. Mai 2012 at 10:52

    Ich erlebe keinen Rassismus in Köln und ich komme viel rum.
    Wenn man schon als Rassist gilt, wenn man über eine andere Herkunft spricht oder wenn man einen Menschen anderer Herkunft kritisiert, dann läuft was richtig falsch.
    Ich mag diesen Trubel nicht.
    Die Gesellschaft wehrt sich gegen Unrecht, dazu braucht es keiner belehrenden Veranstaltungen.
    Menschen sind weder besser noch schlechter, nur weil sie aus anderen Ländern kommen.
    Lasst uns jeden nach seinen Taten beurteilen – und nur danach.

  2. Günter Schullenberg 14. August 2012 at 08:16

    1992 war ich leider nicht als Zuhörer b.d.legendären Konzert dabei; als alter H.-Wader-Fan fallen mir seine schon vorher kreierten Sätze auf seinem „Nach Hamburg“-Zyklus ein, in dem er an die Misshandlung u. Erhängung von Kindern durch SS-Schergen i.e. Schule i.d.letzten Kriegstagen erinnert, mahnt er vor der noch immer latenten Gefahr von Rechts u. sagt:“Es gilt die Dämpfe abzulenken, die aufsteigen aus diesem giftigen Schlamm, sie für immer zu binden, auch i.Gedenken der Kinder vom Bullenhuser Damm.“

  3. Hanns Schneider 13. Oktober 2012 at 21:46

    Also, so wichtig Wachsamkeit gegenüber den Rechtsaußen ist, möchte ich daran erinnern, dass durch linke Ideologien im 20. Jh. weit mehr Menschen umgekommen sind als durch Nazis und Faschisten. Ich vermisse daher die Ausgewogenheit und Proteste gegen links..

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