Arsch huh, Zäng ussenander!
Uraufführung Film Asyland

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Aber es wäre deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Mit diesem Zitat der Ärzte eröffnete Cagdas Yüksel die Uraufführung seines einstündigen Films „Asyland“.  Für die Realisation hatte er eine Gruppe engagierter Studenten um sich versammelt, die  über Monate mit Recherchen, Ortsbesuchen, redaktioneller Aufbereitung, Ton, Kamera und Aufnahmetechnik, dem Beantragen von Drehgenehmigungen und nicht zuletzt der Finanzierung beschäftigt waren. Das Ergebnis ist ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm, der in einfachen Bildern und klaren Worten Einblicke in die verschiedenen Schicksale und Lebensläufe von Geflüchteten vermittelt, die irgendwann in Deutschland gelandet sind und sich hier Schutz, Arbeit und vielleicht eine Zukunft erhoffen.

Der Film bewegt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Unterschiedliche Nöte treiben die Protagonisten um, doch vermitteln die Interviews auch, welche Sehnsüchte und welche Stärken sie leiten. Das ist beeindruckend und erhellend und reichert den Film mit kraftvollen und auch  fröhlichen Momente an. Ein Flüchtling, der neben einer ausländerfeindlichen Nachbarin wohnt, erzählt, wie er einen Draht zu ihr gefunden hat. Ein junger Muslim schildert sein Befremden, als er zum ersten Mal in einen Club mitgenommen wird. Ein dritter, der noch als Baby aus dem Libanon nach Deutschland kam, berichtet über die Anfangshürden seiner Familie in breitestem Berliner Dialekt.
Auch die Szenen mit Fatih Cevikkollu helfen, die Emotionen in Balance zu halten. Denn es gibt auch die anderen Momente, die einem den Atem stocken lassen. Wenn da von Foltererfahrungen die Rede ist oder der ablehnenden Haltung, die Passanten oder auch  Behördenvertreter offen an den Tag legen, es um Verlust, Verzweiflung und Heimatlosigkeit geht und nicht zuletzt um die vage  Hoffnung, hier eine Chance und damit eine Lebensperspektive zu bekommen.

Was wir tun können

In der Diskussionsrunde nach der Filmpremiere forderte Volker Beck, dass die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden müssen, um Menschen in Not hier ohne Wenn und Aber Schutz zu gewähren. Und Gian Aldonani ergänzte, was für sie nach den Erlebnissen der Flucht aus dem Irak entscheidend war: „Das Aufeinanderzugehen mit Liebe und Wertschätzung. Denn das sind Gesten, die man nie mehr vergisst und die einen motivieren, etwas zurückzugeben.“

Das ist auch die Botschaft des Films. Für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, sind Empathie und Solidarität im Aufnahmeland von geradezu existenzieller Bedeutung. Der Film leistet einen Beitrag, dieses Wissen oder eher noch das Gespür dafür zu verbreiten und der Kraft der Menschlichkeit zu vertrauen.

Es gibt zwei Wege, den Film zu sehen.
Er wird als DVD über Internetseite www.asyland.de erhältlich sein.
Der Wunsch des Filmteams ist jedoch, ihn Initiativen und Engagierten für Filmabende zur Verfügung stellen. Gerne in Verbindung mit einer anschließenden Diskussion mit den Machern.

Wer eine Vorführung in einem Bildungswerk, einer Schulaula, einem Kino oder Filmclub organisiert, kann diese Veranstaltung auf der Website unter der Rubrik „Meine Stadt“ eintragen.
Dort werden die geplanten Termine veröffentlicht und mit Glück, findet man eine Veranstaltung mit Diskussion in der eigenen Region. Und wenn nicht, organisiert man sie eben selbst.

ASYLAND ein Film von Cagdas Yüksel 2015

www.asyland.de
facebook.de/asyland

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