Arsch huh, Zäng ussenander!
Arsch huh Kongress Leiden an der Zeit

Wolfgang Niedecken, Gründer und Frontmann von BAP sowie Mitbegründer der AG Arsch huh

Thomas Laue, Chefdramaturg am Schauspiel Köln und Mitinitiator des Kulturfests Birlikte in Köln-Mülheim

Frank Schätzing, Schriftsteller und Bestsellerautor, Mitglied der AG Arsch huh

 

 Wolfgang Niedecken Arsch Huh Kongres 2015Wolfgang Niedecken

 Ich will mich weder unter Dekorateure noch unter Provokateure einsortieren lassen. Wir Künstler müssen den Schubladen entkommen. Wir müssen vor allen Dingen dafür sorgen, dass wir gute Kunst machen und das, was uns umtreibt, in unsere Arbeit einbeziehen – das, was uns schlaflos macht und das, was uns glücklich macht. Ausgangspunkt ist immer das Gefühl, das ist unser Material, damit müssen wir arbeiten. Ich versuche nur was rauszulassen, wenn ich es selber okay finde. Manchmal dauert es unglaublich lange bis ein Stück wirklich reif für die Öffentlichkeit ist. Ich will damit sagen, dass es nicht auf Bestellung geht: man schreibt nicht mal eben den schmissigen Song, der die Welt rettet. Es wäre ja wunderbar, wenn das gehen würde. Dann würde ich nur noch solche Songs schreiben. Das geht aber nicht. Unser Hauptjob als Künstler ist dafür zu sorgen, dass die Empathie möglichst erhalten bleibt.


Frank Schaetzing Arsch Huh Kongress 2015 Frank Schätzing

Ich glaube, dass Kunst oder jede Form von Kulturschaffen erstmal authentisch sein muss, – es muss aus deinem Inneren kommen. Und dann geht es darum, Kanäle zu schaffen, um diese Kunst möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, damit wir nicht in einem elitären Zirkel verkehren, sondern Menschen daran teilhaben lassen., Auch ich fühle mich weder als Provokateur noch als Dekorateur, ich finde wir sollten Konstrukteure sein. Das wäre ein Begriff, der mir besser gefiele.

Wenn du anfängst im Vorfeld an dein Publikum zu denken und dir auch nur eine Sekunde Gedanken machst, was die Leute von dir hören oder sehen wollen, dann ist das der Tod jeder Kunst und eines jeden kulturellen Projekts. Wenn dir Leute sagen, denken sie doch auch mal an uns, die wir ihre Platten kaufen und ihre Bücher kaufen, dann musst du ihnen antworten: Sorry, aber wir sind nicht dafür da, Populisten nach dem Mund zu reden, wir sind da, um Populisten zu widersprechen.


 Thomas Laue Arsch Huh Kongress Thomas Laue

Ich habe länger darüber nachgedacht, warum die Begriffe Provokateur und Dekorateur mir so defensiv vorkommen. Der Begriff, den ich dagegen setzen würde, ist der des Gestalters, also eines Gesellschaftsgestalters.

Wir sitzen jetzt in Mülheim und haben über anderthalb Jahre die Keupstrasse und ihre Menschen kennengelernt. Es ging dabei um ein Stück über den Nagelbombenanschlag des NSU 2004. Im Lauf der Recherche haben wir gemerkt, dass es sinnvoller ist, ein Projekt nicht über, sondern mit der Keupstrasse zu machen. Und so entstand „Die Lücke“, ein Stück, in dem Anwohner, die teilweise den Anschlag vor elf Jahren miterlebt haben und Schauspieler gleichberechtigt auf der Bühne stehen. Diese Arbeit hat in der Keupstraße etwas verändert, was etwas damit zu tun hat, wie sich diese Straße wahrgenommen und sich wieder zu Köln zugehörig fühlt. Plötzlich ist man in einem Dialog mit den Anwohnern und der weitet sich aus. Schließlich reden wir darüber, wie das Leben in dieser Stadt aussehen soll.

Was nun speziell Arsch huh auszeichnet ist, dass durch den Zusammenschluss verschiedener Künstler sehr unterschiedliche Leute konsensfähig sind. Selbst wenn sie einzeln gesehen nicht alle gleichermaßen Fans von Wolfgang Niedecken, den Höhnern oder Brings sind, wird die Idee dahinter gemeinsam getragen. Das macht Arsch huh zu etwas besonderem.

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