Arsch huh, Zäng ussenander!

Die IG Keupstraße, das Schauspiel Köln die AG Arsch huh sowie zahlreiche weitere Partner zeichnen für das Programm des Kunst- und Kulturfests in der Kölner Keupstraße am 6.6.2014 verantwortlich. Das Kunst- und Kulturfest ist sicherlich so etwas, wie das inhaltliche Herzstück des Birlikte-Wochenendes. Die Veranstalter haben dazu den unten folgenden Text veröffentlicht.

Alle Details des umfangreichen Programms finden sich hier in der PDF-Datei auf der Webseite von Birlikte – Zusammenstehen: birlikte.info/Kunst-und-Kulturfest.pdf (Achtung, der Link öffnet direkt das PDF-Dokument.)

Kunst- und Kulturfest, Sonntag 8. Juni 2014

»Birlikte«, das heißt »Gemeinsam, Zusammenstehen«. Ein türkisches Wort, eine Entsprechung im Deutschen, eine türkisch-deutsche Verbindung, die symbolisch für viele sprachliche und kulturelle Erweiterungen steht: ins Bulgarische, Kurdische, Russische, Rumänische … Denn die Keupstraße und unsere Gesellschaft sind so vielsprachig und so vielfältig wie die Menschen, die in ihr leben.

Vor zehn Jahren zündeten Mitglieder des selbsternannten »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) in der vor allem von Türken und Kurden bewohnten Keupstraße in Köln eine Bombe. Sie war vor einem Friseursalon deponiert und explodierte am 9. Juni 2004 kurz vor 16 Uhr. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Der Anschlag im Juni 2004 und die einseitigen Ermittlungen und Medienberichte in den Jahren danach haben das Leben in der Keupstraße lange Zeit bestimmt. Misstrauen und gesellschaftliche Isolation wurden über Jahre zum Normalzustand in einer bis dahin florierenden Kölner Geschäftsstraße. Erst seitdem 2011 das NSU-Terrornetz aufgeflogen ist, gelten die Anwohner der Keupstraße nicht mehr als kollektiv Verdächtige. Eine neue Öffnung der Straße hin zur Stadt hat eingesetzt und umgekehrt: eine neue Wahrnehmung der Keupstraße durch die Stadtgesellschaft.

Sicher ist: Der Anschlag und seine Folgen lassen sich durch kein Gedenken, kein Konzert und kein Fest ungeschehen machen. Aber ob die böse Saat des zynischen rechten Gedankengutes aufgeht und nachwirkt, oder ob es gelingt, eine menschenfreundliche, gleichberechtigte und zukunftsweisende Form des Zusammenlebens zu finden, entscheidet sich heute. Und es entscheiden nicht rechte Terroristen, sondern die Menschen, die in einer Stadt gemeinsam leben und ihre kulturellen Wurzeln in eine gemeinsame Zukunft einbringen.

Das Kunst- und Kulturfest an diesem Pfingstsonntag ist eine Einladung der Keupstraße und ihrer Nachbarn an alle Menschen in Köln und darüber hinaus, zehn Jahre nach dem Anschlag an einer gemeinsamen Vision des Zusammenlebens mit den friedlichen gestalterischen Mitteln von Kunst und Kultur teilzunehmen. Neben der ohnehin schon belebten Keupstraße und Teilen des Carlswerk-Geländes öffnen auch Geschäftsleute ihre Räume. Sie stellen Teile ihrer Restaurants, oder Bäckereien, aber auch ihre privaten Hinterhöfe für Künstler zur Verfügung. Alle diese Orte und die ganze Straße bieten Platz für Kunst und Kultur, für Musik, Theater, Lesungen, Tanz, Konzerte, Filme und ein großes Kinder- und Familienprogramm, aber auch für Führungen durch das Innere der Keupstraße, für Diskussionen, Berichte aus dem NSU-Prozess, Informationsveranstaltungen und stilles Gedenken.
Die Keupstraße lädt ein. Bİrlİkte – Zusammenstehen.

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