Arsch huh, Zäng ussenander!
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#nichtmituns am 17. Juni in Köln

Es war eine beeindruckende Veranstaltung und eine emotionale, ein Nachmittag voller Wohlwollen, gegenseitigem Respekt und vor allem Zusammengehörigkeitsgefühl. „Wir wollen in Frieden miteinander leben, egal ob und wenn ja, was der/die Einzelne glaubt“ – das war der gemeinsame Nenner, der die Anwesenden auf dem Heumarkt verband. DSC00049

In der Spitze hatten sich laut Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmer eingefunden, meldete Tarek Mohamad, mit dem die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor #nichtmituns initiiert hatte. Dieser Auftakt soll den Anstoß geben, gegen den Terror aufzubegehren, der Versatzstücke des Islam missbraucht, um ein totalitäres Regime zu etablieren.

Zu Kundgebung und Friedensmarsch in Köln hatten sie Muslime und Freunde eingeladen, nicht um sich zu distanzieren, sondern vor allem, um sich zu positionieren. Mit ihrer Aktion haben sie in kurzer Zeit enorm viel Öffentlichkeit herstellen können, wenn sich auch am 17.  weniger Menschen auf dem Heumarkt einfanden als erhofft. Das sei schade, aber kein Drama – findet Tarek Mohamad: „Die Demonstration hat eigentlich die letzten 10 Tage statt gefunden! Und die hat locker 30 Millionen erreicht! Das heute war die ‚Abschlussparty‘.“

Autorin und Unternehmerin Jacqueline Bakir Brader führte durch das Programm, lobte ein übers andere Mal Mut und Eigensinn der Versammlung. Lamya Kaddors wünschte sich von den Moschee-Gemeinden, dass solche Muslime, die mit dem religiös verkleideten Unterdrückungssystem des IS sympathisieren, ausgeschlossen werden. Aus der Keupstraße ergriff Meral Sahin das Wort und erinnerte an das Zusammenwirken im Rahmen von Birlikte, das in Köln zum Zusammenwachsen von Muslimen und Nicht-Muslimen beigetragen hat. Für die AG Arsch huh trat Fatih Çevikkollu ans Mikrofon. (Hier seine Rede zum Nachhören.)

Als der Friedensmarsch sich in Bewegung setzte, wurde er unterwegs vielfach beklatscht. Eine Gruppe grüßte mit dem Stammbaum-Lied als der DSC00032kZug passierte. Der „Engel der Kulturen“, das Symbol aus Stahl, das die drei abrahamischen Weltreligionen – Christentum, Judentum, Islam – und symbolisch alle Kulturen und Religionen der Welt verbindet, war während des Weges und auf der Bühne präsent. DSC00113k

Im zweiten Teil der Veranstaltung führte Imamin und Religionspädagogin Rabeya Müller aus, es sei sehr im Sinne des Koran, den eigenen Verstand zu entwickeln und zu gebrauchen und nicht unkritisch selbsternannten Führern hinterherzulaufen. Pfarrer Hans Mörtter, der sich die Lutherkirche mit der liberalen muslimischen Gemeinde teilt, erinnerte daran, dass auch Christen im Namen Gottes gemordet und Kriege geführt haben. Jetzt sei die Zeit für ein Miteinander, sagte er und forderte nicht nur im übertragenen Sinn dazu auf, sich die Hand zu reichen und das Gemeinsame, nicht das Trennende zu betonen.

DSC00148Einen kulturellen Beitrag leisteten Quichotte und Flo, die das Zusammenspiel der Menschen mit einem Orches  ter verglichen. (Sehenswerter Clip auf youtube). Sadiqu Al-Mousllie, Vorstandsmitglied vom Zentralrat der Muslime wandte sich an die AfD mit den Worten „Es gibt keine Alternative zur Gemeinsamkeit, die einzige wäre Einsamkeit und das ist nicht das, was wir wollen“ und erntete viel Beifall. Für die Ahmadiyya Muslime sprach Imam Mahmood Ahmad Malhi. Mit vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen hat sich seine Gemeinschaft immer wieder gegen Gewalt, Extremismus und Terror im Namen Allahs gestellt. „Muslime für Frieden“ ist einer ihrer Slogans, den Viele aus der Gemeinde auf T-Shirts trugen. DSC00251

Den vielleicht ergreifendsten Beitrag lieferte der junge Syrer Akram, der inzwischen Wuppertal lebt. Er schilderte die Kriegsnot in seiner Heimat, die das Leben dort unmöglich macht, sprach über die Vielen, die aus Verzweiflung Syrien verlassen und hoffen dorthin eines Tages zurückkehren zu können und erinnerte schließlich daran, dass weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Menschen, die wie wir alle nur einem Platz suchen, wo sie mit denen, die sie lieben, ein gutes und sicheres Leben führen können. Passend zu seiner persönlichen und engagierten Rede erklang zum Abschluss John Lennons „Imagine“.

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