Arsch huh, Zäng ussenander!

Liebe Freundinnen und Freunde der Kultur, der Willkommenskultur,

Flüchtlinge willkommen heißen, heißt auch, sie menschenwürdig zu behandeln. Das betrifft auch ihre Unterbringung. Es kann und darf nicht sein, dass wir sie in Massenunterkünfte stecken, in ehemalige Hotels, in Sammelcontainer, Baumärkten und jetzt auch wieder in Turnhallen.  Eine solche Unterbringung ist menschenunwürdig, verletzt das Wohl der Kinder, macht Kranke noch kränker, ist integrationspolitisch falsch und trägt nicht zum sozialen Frieden in unserer Stadt bei.

Dasselbe gilt übrigens für massive Großrazzien wie die vergangener Woche im Wohnheim Herkulesstr. Ein Verhältnis von mehr als ein Polizist auf ein Flüchtling – das wollen wir nicht mehr in einer Flüchtlingsunterkunft, das wollen wir aber, Herr Polizeipräsident, beim nächsten Aufmarsch von Hooligans, Rechtsextremisten und Dumpfbacken. Verkehrte Welt.

Die Standards des 2004 vom Kölner Stadtrat beschlossenen Unterbringungskonzeptes – damals vorbildlich in Deutschland – diese Standards werden schon lange nicht mehr eingehalten. Wir müssen wieder dahin zurück! Und da helfen keine Lippenbekenntnisse, da helfen nur Taten!

Auch Flüchtlinge und ihre Familien brauchen Wohnungen. Und wenn es keine gibt, muss man welche bauen. Und solange es noch keine gibt, brauchen sie Häuser mit abgeschlossenen Wohneinheiten. Es wird ja von der Verwaltung immer gesagt, es gebe dafür keine geeigneten Grundstücke. Natürlich gibt es städtische Grundstücke, auf denen man Häuser errichten kann. Alle wissen das. Vor allem wissen das das Liegenschaftsdezernat und das Baudezernat. Es fehlt aber am politischen Willen, diese Grundstücke für den Bau von Flüchtlingshäusern zur Verfügung zu stellen.

Städtische Task Force hin oder her – da sind Sie Herr Oberbürgermeister als Verwaltungschef gefragt, auf den Tisch zu klopfen und zu sagen: „Oberste Priorität hat die menschenwürdige Unterbringung. Ihr liefert jetzt die Grundstücke und geeignete Immobilien. Ihr, auch wenn ihr unterschiedliche Parteibücher habt, ihr arbeitet jetzt endlich mal einheitlich und miteinander – nicht gegeneinander!“

Niemand darf überrascht sein, dass die Flüchtlingszahlen steigen. Sie steigen überall seit 2008. Diese Entwicklung hat die Stadt schlichtweg verschlafen. Sie hat die Unterbringung und die soziale Betreuung über die Jahre nicht geplant. Ein Tipp: Daraus sollte man unbedingt lernen. Denn die Flüchtlingszahlen werden nicht sinken, sie werden weiter steigen: Ein Blick wenigstens in die Zeitung genügt doch, um festzustellen: Es gibt immer mehr Kriege, immer mehr Krisenherde, immer mehr Verfolgung, Ausgrenzung, Diskriminierung und Not.

Die Stadt muss endlich beginnen, einen Masterplan zu entwickeln, sie muss konkrete und nachvollziehbare Maßnahmen ergreifen, damit Flüchtlinge in 3 oder 5 Jahren in Wohnungen und in Flüchtlingshäusern leben können.

In den letzten 2 Jahren erleben wir eine große Welle der Hilfsbereitschaft von Kölnerinnen und Kölnern, die sagen, wir wollen etwas tun, wir wollen Flüchtlinge unterstützen, wir wollen sie willkommen heißen. Jeden Tag melden sich Menschen bei Verbänden, sozialen Trägern und Kirchengemeinden. An vielen Standorten von Flüchtlingsunterkünften haben sich nachbarschaftliche Willkommensinitiativen gegründet. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten unglaublich viel – für die Flüchtlinge, aber auch für die Akzeptanz im Stadtteil und den sozialen Frieden in der gesamten Stadtgesellschaft. Das muss man mal zur Kenntnis nehmen!

Willkommenskultur braucht aber auch Willkommensstruktur. Sie braucht eine Struktur für die Vermittlung von Ehrenamtlichen in die Projekte und Initiativen, für den gegenseitigen Austausch, für Vernetzung und Qualifizierung. Und hier muss die Stadt ran.  Sie sollte das bürgerschaftliche Engagement nicht nur mit Worten würdigen, sondern sie muss die finanziellen Mittel für die Förderung und Begleitung dieses gesellschaftlichen Engagements bereitstellen. Damit stadtweit eine Willkommenskultur entstehen und sich entwickeln kann, eine,

  • die nachhaltig ist,
  • die hilft, Flüchtlinge schneller und besser zu integrieren,
  • die hilft, Ängste in der Nachbarschaft abzubauen und die auch vor Ort bei Konflikten vermitteln kann.

Mit unserer heutigen Veranstaltung möchten wir alle Kölnerinnen und Kölner ermutigen, sich für die Belange der Flüchtlinge einzusetzen. Jede und jeder kann etwas tun, unsere Stadtgesellschaft menschenfreundlicher für alle zu machen. Jede und jeder kann etwas tun, den Flüchtlingen in Köln solidarisch zur Seite zu stehen, egal woher sie kommen, ob aus Syrien oder aus Serbien.

Packen wir es an: Arsch huh!

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