Arsch huh, Zäng ussenander!
Den Mantel Teilen - zu Beginn

Den Mantel Teilen – zu Beginn

Schon vor der Eröffnung durch Wolfgang Schmitz hatte sich eine große Menschenansammlung vor der Bühne eingefunden. Die Einstimmung übernahmen Sänger der Kölner Oper. Anschließend trat Oberbürgermeister Roters auf die Bühne, dessen Ansprache auf ein geteiltes Echo traf. „Wir werden die Aufgabe schultern, weil wir das wollen!“ Für Aussagen wie diese zur Aufnahme von Flüchtlingen gab es Applaus. Einige Teilnehmer auf dem Platz äußerten mit Trillerpfeifen und auf Plakaten jedoch auch ihren Unmut gegen das bisherige Vorgehen der Stadt.

Kämpferisch und mit klaren Worten trat Claus-Ulrich Prölß vom Kölner Flüchtlingsrat auf. Er kritisierte, dass die Stadt die vorhersehbare Entwicklung steigender Flüchtlingszahlen verschlafen habe. „Wenn Wohnungen fehlen, muss man Wohnungen bauen – und nicht an Unterbringungsstandards rütteln.“ Mit deutlichen Appellen nahm er die Stadt in die Pflicht.

Zugleich lobte Prölß die vielen Initiativen, die sich stadtweit tatkräftig für die Menschen in Flüchtlingsunterkünften einsetzen. Es gibt sehr viel Bereitschaft zu helfen aber auch viel Unsicherheit, stellte er fest. Der Schlüssel, der über Sprachgrenzen hinweg eine Brücke baue, sei schlichtweg ein wenig menschliche Zuwendung. Oft reiche es, gemeinsam ein Glas Tee zu trinken, der Rest ergebe sich von selbst.

Den Mantel Teilen - Gandi Mukli

Den Mantel Teilen – Gandi Mukli

Für einen ruhigen, geradezu poetischen Moment auf der zugigen Domplatte sorgte Gandi Mukli auf seiner Gitarre. Gian Aldonani, eine junge Kölner Studentin, berichtete sehr anschaulich, über ihre Flucht aus dem Iran und dem Weg, in Köln eine neue Heimat zu finden, auf dem der Kölner Appell ihr und ihrer Familie beigestanden hatte. So ist es für sie selbstverständnlich, dass sie nun ihrerseit beim Kölner Appell anderen bei ihrer Eingliederung hilft und sich zudem für Flüchtlinge aus dem Irak engagiert. Damit lieferte sie ein überzeugendes Beispiel dafür, dass Menschen, die hier auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft treffen, beides weitergeben.

Eine junge Frau hatte spontan ein Plakat mit „für Menschlichkeit“ beschriftet und hielt es auf der Domplatte in den Abendhimmel. 2569

Den Mantel Teilen - Teilnehmer Plakat

Den Mantel Teilen – Teilnehmer Plakat

Gewohnt bissig und wortgewaltig wandte sich Wilfried Schmickler an das Publikum. Er nahm die Praxis an den Europäischen Grenzen in den Blick und die Tragödien, die sich regelmäßig vor Lampedusa abspielten. „Es reicht halt nicht, die Grenzen dicht zu machen – man muss sie auch schützen!“

Einen Höhepunkt bildete nach zwei Stücken von Brings der gemeinsame Überraschungsauftritt mit den Bläck Fööss. Das Lied vom Kölschen Stammbaum wurde natürlich vom Publikum mitgesungen – ein herzerwärmender Moment, an diesem kühlen Abend. Hannelore Bartscherer, Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses griff dies als Einstieg auf. Passend zum Motto „Den Mantel teilen“ ging sie auf Sankt Martin ein und mahnte schließlich zu einem menschlichen Umgang, denn „Flüchtlinge sind keine Fälle.“
Dass niemand aus Jux und Dollerei emigriert, trugen die Occupy Singers in einem Liedtext bei und hatten den Refrain von Stings „Englishman in New York“ in „Du bist ein Fremder hier und deshalb sind wir gut zu dir“ umgetextet.

Weiterhin auf der Bühne zu sehen war das Theater Der Keller mit einem Auszug aus der szenischen Collage „Displaced Persons“, der durch die authentischen Elemente unter die Haut ging.

Der Nachwuchs des Schauspielhauses leistete ebenfalls einen Beitrag und schließlich setzten die Höhner mit ihrem Auftritt den Schlussakzent.

Petra Metzger

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