Arsch huh, Zäng ussenander!

Arsch huh im Veedel – Sommerfest in Bocklemünd

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k_DSC03049Inmitten des Neubaugebietes liegt das Görlinger Zentrum. Versorgungs- und Kontaktinsel mit Sparkasse, Post, Bäckern, Supermärkten, Imbiss, Friseur, Apotheke, Kneipe und Büdchen. Vor dem Bürgerschaftshaus steht an diesem Samstag die Bühne, auf der die Kinder des Veedels das Programm eröffnen. Die Bierbänke für das Publikum stehen in der prallen Sonne. Einige Besucher des Festes flüchten sich mitsamt Bank in den Schatten und lauschen von der Seite. Andere verfolgen das Geschehen von einem der zahlreichen Stände, die Getränke, Grillgut oder Kuchen anbieten.

Kunterbunt im Veedel

Los geht es mit Björn Heuser der mit seiner Gitarre zum Mitsingen animiert. Dann treten Kinder mit Transparenten nach vorn. Sie besuchen die Schule Kunterbunt, eine inklusive Grundschule, deren Unterricht seit 2016 in Vogelsang stattfindet. Das Schulgebäude in Bocklemünd wurde für den Ausbau der Bahnlinie geschlossen. Daher zog man bis auf Weiteres in die leerstehende Schule im Nachbarstadtteil. Jetzt müssen die Kinder täglich von Bocklemünd nach Vogelsang und zurück transportiert werden. Die Elternarbeit ist erheblich erschwert und auch der Austausch zwischen Eltern und Lehrern leidet unter der Verlagerung.

k_DSC03034Bocklemünd sollte nur vorübergehend ohne Grundschule auskommen müssen, so war es verabredet. Aber die Beteiligten sehen die Rückkehr in immer weitere Zukunft rücken. Auf der Bühne erläutern Mitglieder der Schulpflegschaft und der stellvertretende Schulleiter, was sie schon alles getan haben, um sich bei Politik und Verwaltung Gehör zu verschaffen.

Provisorien können in Köln sehr langlebig sein

Moderator Hermann Rheindorf befragte dazu Bezirksbürgermeister Josef Wirges. Der zeigte Verständnis für die Argumente. Warum man der neuen Grundschule trotzdem keinen Schritt näher kommt, blieb an diesem Nachmittag eines ungelöste Frage.

Arsch huh ist unterwegs in Kölner Veedeln, um für Teilhabe und Demokratie zu werben. Dass aber nachhaltiges Engagement allein nicht ausreicht, wenn öffentlicher Druck fehlt, war eine Lektion, die es hier zu lernen gab.

Wecken und Stärken des Gemeinschaftsgefühls

HopStopBanda spielte auf und trotz 30 Grad Hitze, brachten sie einige Menschen zum, Tanzen. Dann meldeten sich Aktive zu Wort, die sich für die Verbesserung des Zusammenwohnens in Bocklemünd einsetzen. In einem Stadtteilbüro am Ollenhauerring 74 kümmert sich Christian Baak von der aktion Nachbarschaft um die Anliegen und um die Vernetzung von Anwohnern. Montags um 11 Uhr findet ein offenes Treffen mit gemeinsamem Frühstück statt. Hier kann man sich kennenlernen und über das austauschen, was im Viertel gut läuft oder verbesserungswürdig ist.k_DSC03114

Drei Aktive schilderten einige der drängendsten Probleme. Es ging zum Beispiel um Temposünder, die auf die vielen Kinder und Senioren im Viertel keine Rücksicht nehmen und viel zu schnell über den Kurt-Schumacher-Ring heizen. Über wilden Müll ärgert sich Willi. Er bietet Hilfe an und koordiniert die Sperrmüllabfuhr, wenn Menschen ihr Gerümpel irgendwo abstellen, weil sie einfach nicht wissen, was zu tun ist, um das Viertel vor Vermüllung zu schützen.

Im Dienst der Gemeinschaft

Aus dem Publikum kommen weitere Verbesserungsvorschläge. Es brauche mehr öffentliche beleuchtung, damit man sich auch am Abend sicher fühlen kann, heißt es. Dann meldet sich Elisabeth Seeburg meldet sich zu Wort. Sie betreibt eine Kleiderkammer, organisiert eine Tafel, bringt Kindern das Schwimmen bei, unterstützt ältere Menschen in Not und bietet sogar Sterbebegleitung. Man kann sie mit Recht die gute Seele Bocklemünds nennen. Frau Seeburg bemängelt, die unebenen und lockeren Bodenplatten im Görlinger Zentrum. Erst kürzlich ist sie über eine gestürzt. Hier wäre dringend der Einsatz des Straßenverkehrsamts geboten, um Unfälle zu verhüten.

Sie bekommt Zustimmung und Applaus. Aber leider sind die Politiker aus dem Bezirk, der Stadt und dem Landtag nicht mehr da, um diese Anstoß aufzunehmen. Vielleicht kümmert sich Christian Baak ja darum oder das Willi Eichler Bildungswerk unterstützt dabei, dass auch in dieser Hinsicht das Viertel am Rand der Stadt nicht vergessen wird.

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