Arsch huh, Zäng ussenander!

„Arsch Huh AG“ mit dem Giesberts-Lewin-Preis ausgezeichnet

Auftritt Arsch huh Giesberts Lewin Preis

Sie stehen für Brückenbau und Austausch: Johannes Giesberts (1909-1981) und Shaul Lewin (1905-1986), die in den 1950er Jahren Schüler aus Köln und Tel Aviv zusammen brachten. Sich Kennenlernen und miteinander reden, darauf setzten die beiden Lehrer, in deren Sinn der Preis von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zum 14. Mal verliehen wurde.

Jürgen Wilhelm lobte die Musikervereinigung als ein Vorbild für nachhaltiges Engagement und blickte auf über zwanzig Jahre zurück, in denen die Künstler gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für ein tolerantes Miteinander ein- und auftraten. Die Angriffe auf eine Asylunterkunft in Rostock-Lichtenhagen hatte 1992 zur Kundgebung auf dem Chlodwigplatz geführt, die mit rund 100.000 Menschen ein deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt und Gedanken setzte und alles ins Rollen brachte. Schwungvolle und engagiert führte der Laudator durch die Jahre und landete schließlich bei Birlikte und der jüngsten Kundgebung, die ein Aufleben der Hogesa-Umtriebe in Köln verhinderte. Und dennoch: 2015 tragen wieder Menschen ihre ausländerfeindliche Gesinnung auf die Straße. Dass die AG Arsch huh noch immer ihre Stimme gegen Rechtspopulismus erheben muss ist traurig, dass sie es tut jedoch dankenswert, lobte der Redner.

Hermann Rheindorf, der als einer der Sprecher der AG für die Auszeichnung dankte, richtete seine Gedanken auf die Gegenwart. Pegida und AFD sind neue Etiketten für die populistischen Vereinfacher. Sie treffen sich nicht mehr nur zu Kundegbungen, sondern verleihen heute ihren Aggressionen und Provokationen in den sozialen Netzwerken und in Nutzerkommentaren unter Presseberichten vielfachen Ausdruck. Davon bleibt zwangsläufig auch die AG Arsch huh nicht verschont. „Diese Veröffentlichungen juristisch zu verfolgen ist weitgehend fruchtlos,“ sagte Rheindorf. „Sie unwidersprochen zu lassen, aber mehr als fahrlässig.“ Dagegenhalten – so lautet seine Botschaft. Kraft und Antrieb dafür bezieht die Künstlergruppe auch aus der positiven Resonanz: „Wir schaffen Identifikation und wir erreichen Menschen! Und das ist viel.“

Das Medium dazu ist die Musik – auch an diesem Abend. Den nachdenklichen Auftakt machten Anke Schweitzer und Rolf Lammers. „Wir sind raus, wir sind unvermittelbar“ sang Jürgen Zeltinge rüber Ausgrenzung aus dem Arbeitsleben und rockte mit Dennis Kleinmann den Museumssaal. Wolfgang Niedecken, ebenfalls unterstützt durch Dennis Kleinmann, setzte einen ruhigeren Akzent, bevor schließlich alle zusammen die Arsch huh Hymne intonierten und die Gäste der Preisverleihung zum Mitsingen brachten.

Der Giesberts-Lewin-Preis symbolisiert das Ineinandergreifen zweier Teile.

Die Skulptur wurde von Ansgar Nierhoff entworfen.

(Text und Fotos: Petra Metzger)

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